Euromaidan Wache Berlin: Pressemitteilung/Press release

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Berlin, 27. Februar 2014
Die Ukrainer haben die erste Schlacht gewonnen und sind entschlossen weiterzukämpfen um das System zu ändern. Die Euromaidan Wache Berlin vegrüßt die Bereitschaft der deutschen Seite eine medizinische Behandlung für verletzte Demonstranten anzubieten und fordert die Bundesregierung dazu auf, damit verbundene Aufwendungen zu übernehmen.

Die Ukraine hat die drei dramatischsten Monate seit ihrer Unabhängigkeit im Jahr 1991 durchlebt. Was als friedliche Demonstration zur Unterstützung der europäischen Integration began, endete mit Blutvergießen und dem Tod von mindestens 90 Menschen. Erst nach diesen tragischen Ereignissen wurde es möglich, einen ersten Schritt in Richtung eines Kompromisses zu gehen. Derzeit hat das Parlament der Ukraine die Kontrolle über das Land übernommen. Präsident Janukowitsch ist geflohen und seine Aufenthaltsort ist unbekannt. Die vorgezogenen Präsidentschaftswahlen sind jetzt auf den 25. Mai 2014 terminiert. Das Parlament ließ Julia Timoschenko, die Oppositionsführerin, die seit August 2010 im Gefängnis saß, frei. Sie hat politische Ambitionen, aber diese Vorstellung ist unter den Demonstranten, die neue Gesichter in der Politik wollen, nicht populär. Die neue Regierung soll heute ernannt werden, während die Zusammensetzung den Menschen auf dem Maidan gestern Abend vorgestellt wurde. Einige der Vereinbarungen markieren einen echten Durchbruch, wie zum Beispiel Pavlo Sheremeta, Minister für Wirtschaft – ein hochkarätiger Wirtschaftswissenschaftler mit internationaler Ausbildung und Erfahrung, Andriy Deshchytsia, Minister für auswärtige Angelegenheiten, ein bekannter Diplomat, der als einer der ersten seine Unterstützung der Demonstranten öffentlich äußerte, und Oleh Musiy, Gesundheitsministers, ein Koordinator des medizinischen Dienstes der Euromaidans. Arsenij Jazenjuk, einer der Führer der ehemaligen Opposition, wird der Ministerpräsident sein. Es wurden keine Vertreter der Partei der Regionen und Vitaliy Klitschkos Partei UDAR benannt. UDAR hat jedoch angekündigt, dass sie diese Zusammensetzung zu unterstützen.Zur gleichen Zeit sind die Menschen immer noch in Trauer um die Toten und Maidan hält stand. Die Menschen sind entschlossen, das System und die Regeln des Spiels zu ändern, nicht nur die Politiker. Kurzfristig wollen sie Gerechtigkeit – und zwar die Untersuchung aller Fälle von Gewalt mit anschließendem Verfahren. Sie wollen auch sicherstellen, dass die neue Regierung entschlossen ist, echte Reformen umzusetzen. Schließlich wollen die Menschen vorgezogene Parlamentswahlen und ein neues Wahlsystem – Verhältniswahlrecht und offene Parteilisten. Im Großen und Ganzen wollen die Menschen, die aus den Fehlern der Orangenen Revolution gelernt haben, das System vollständig neu starten und die Beziehung zwischen dem Staat und der Gesellschaft ändern.Während die Bedrohungen für die territoriale Integrität der Ukraine nicht so groß sind wie von den internationalen Medien, einschließlich der deutschen Medien angedeutet wird, ist die Situation auf der Krim noch recht instabil. Es haben große Proteste zur Unterstützung der territorialen Integrität der Krimtataren in der Ukraine und kleinere Proteste für eine Trennung der Krim von der Ukraine, stattgefunden und die Situation bleibt angespannt. In anderen Regionen der Ukraine wurden mehrere Initiativen zur Aussöhnung ins Leben gerufen. Deshalb haben gestern viele Menschen in L’viv Russisch gesprochen, um ihre Mitbürger aus russischsprachigen Regionen zu unterstützen, während das russischsprachige Donetsk mit dem Sprechen von Ukrainisch reagierte. Dies war eine symbolische Geste der Versöhnung zur Überbrückung von Differenzen.Für weitere Informationen über das, was in der Ukraine in der vergangenen und in dieser Woche passiert ist, lesen Sie bitte die folgenden Links:Newsletter von Euromaidan Civic Sector # 11 – Februar 21 bis 22 (auf Englisch) – https://euromaidanberlin.files.wordpress.com/2014/02/euromaidan_newsletter-no11_english.pdfPersönliche Geschichten von Demonstranten (auf Deutsch)https://www.facebook.com/maidanersde

The Heaven’s Hundred – eine spezielle Web-Seite, die Menschen, die ihr Leben während der Proteste verloren gewidmet ist (auf Englisch) – https://www.facebook.com/theheavenshundred

Am 27.02.2014 findet in Berlin eine Mahnwache gegen Straflosigkeit in der Ukraine vor dem Brandenburegr Tor statt (17-19 Uhr). Einzelheiten dazu sowie weitere aktuelle Informationen aus der Ukraine, Aktivitäten in Berlin sowie Spendenaufrufe finden Sie hier – www.euromaidanberlin.wordpress.com.

Danke, dass Sie uns unterstützen!

Euromaidan Wache Berlin / Alternative Botschaft – www.euromaidanberlin.wordpress.com

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27 February 2014

Ukrainian people won the first battle and are determined to continue fighting to change the system. The Euromaidan Wache welcomes the readiness of the German side to offer medical treatment to injured protestors and asks the German  Government to consider covering related expenses.

Ukraine has gone through the most dramatic three months since it gained independence in 1991. What started as a peaceful demonstration in support of European integration ended with the bloodshed and death of at least 90 people. Only after these tragic events it became possible to make a first step towards a compromise. As of now, the Parliament of Ukraine has taken control of the country.  President Yanukovych fled and his whereabouts are unknown. The early presidential elections are now due on May 25, 2014. The Parliament let Yulia Tymoshenko, the oppositional leader who stayed in prison since August 2010, free. She has political ambitions, but this idea is not popular among the protesters who want new faces in politics. The new government is expected to be  appointed today, while its composition was presented to people at Maidan yesterday evening.  Some of the appointments mark a real breakthrough, such as Pavlo Sheremeta, the Minister of Economy, high profile economist with international education and experience,  Andriy Deshchytsia, the Minister of Foreign Affairs, a renown diplomat who was among the first to openly express his support of protesters, and Oleh Musiy, the Minister of Health, who has been a coordinator of the medical service of Euromaidan. Arseniy Yatseniuk, one of the leaders of the former opposition, will be the prime-minister. No representatives of the Party of Regions and of the Vitaliy Klychko’s UDAR party were included. Both parties, however, announced that they will support this composition.

At the same time, people are still mourning for the dead and Maidan keeps standing. People are determined to change the system and the rules of the game, not just the politicians. In the short-term perspective, they want justice – that is investigation of all cases of violence with subsequent trial. They also want to make sure that the new government is determined to implement real reforms. Finally, people want early parliamentary elections and a new electoral system – proportional elections and open party lists. In sum, people, who learnt from mistakes of the Orange Revolution, want to completely reload the system and change the relationship between the state and the society .

While the risks for Ukraine’s territorial integrity are not as big as suggested by international media, including German media, the situation in Crimea is still rather unstable. Large protests by Crimean Tatars in support of Ukraine’s territorial integrity and smaller protests favouring separation of Crimea from Ukraine took place and the situation remains tense. In other regions of Ukraine several initiatives aimed at reconciliation were launched. Thus, yesterday many  people in L’viv spoke Russian to support their fellow citizens from Russian-speaking regions, while the Russian-speaking Donetsk responded  by speaking Ukrainian. This was a symbolic gesture aimed at reconciliation of differences.

For more information about what has been happening in Ukraine last and this week, please consult the following links:

Newsletter of Euromaidan Civic Sector #11 – February 21-22 (in English) – https://euromaidanberlin.files.wordpress.com/2014/02/euromaidan_newsletter-no11_english.pdf

Personal stories of protesters (in German)www.facebook.com/maidanersde

The Heaven’s Hundred – a special web-page devoted to people who lost their lives during the protests (in English) – www.facebook.com/theheavenshundred

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